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Das Französische Viertel in Tübingen

Auf einer etwa 60 Hektar großen Militärbrache in der Südstadt Tübingens wird seit dem Abzug der französischen Truppen in den Jahren 1991/92 ein gemischtes Stadtquartier entwickelt. Über einen längeren Zeitraum soll Wohnraum für 6000 Menschen und 2500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Durch eine hohe Nutzungs- und Gestaltungsvielfalt in Blöcken und Gebäuden sollen Wohnen, Versorgung, Kultur und Gewerbe eng miteinander verzahnt werden. Das Vorhaben wird in Form einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme durchgeführt. Das Projektmanagement für die Entwicklung des Gebietes obliegt dem Tübinger Stadtsanierungsamt.

Umsetzung
Die Stadt Tübingen hat das Kasernengelände unmittelbar nach dem Abzug der französischen Truppen in den Jahren 1991/92 übernommen. Das ehemalige Kasernenareal wird seitdem unter weitgehender Nutzung brauchbarer Bausubstanz und durch den Neubau von Ergänzungsbauten umstrukturiert. Für das gesamte Projekt wird eine Laufzeit von 15 Jahren veranschlagt. Das Französische Viertel wurde als städtebaulicher Entwicklungsbereich nach §§ 165 ff. BauGB festgesetzt. Die Stadt ist Eigentümerin der Liegenschaft. Bauinteressenten können von der Stadt die entwickelten und voll erschlossenen Grundstücke erwerben. Die Stadt kann aus dem Verkaufserlös der Grundstücke (aus der Entwicklungsmaßnahme resultierende Wertsteigerung) neben der Finanzierung der Erschließungskosten auch in kulturelle Einrichtungen reinvestieren. Generell erfolgt die Entwicklung des Quartiers in drei Phasen:

1. Umnutzung und Verwertung brauchbarer Altbauten
2. Aufbereitung von Grund und Boden für eine zivile Nutzung
3. Bebauung und Nutzung des neugewonnen Baulands

Auf der Grundlage eines Rahmenplans aus dem Jahre 1993 werden für die einzelnen Teilbereiche Bebauungspläne erarbeitet. Vorgaben bezüglich der Art der Nutzungsmischung werden seitens der Kommune nicht gemacht. Vorgesehen ist die Errichtung drei- bis fünfgeschossiger Stadthäuser in geschlossener Blockrandbebauung. Ausdrücklich erwünscht ist die Unterbringung von gewerblichen Betriebsflächen, Werkstätten, Läden und Wohnungen neben- und übereinander. Aus diesem Grunde wurde das gesamte Areal als Mischgebiet ausgwiesen. Nach der Devise "Mischen Sie mit!" soll die Art der Nutzungsmischung weitgehend den zukünftigen Nutzern überlassen werden.

Angestrebt wird die Bildung von Baugemeinschaften von Interessenten, die für den eigenen Wohn- und Gewerbebedarf bauen wollen. Nebeneffekte dieser Vorgehensweise erwünscht man sich für die Entwicklung von sozialer und kultureller Infrastruktur als Produkte von gewerblicher und Vereinstätigkeit.

Ergänzend zum Prinzip der Nutzungsmischung wird im Französischen Viertel ein innovatives Verkehrskonzept umgesetzt, das folgende Grundsätze verfolgt: Parkplätze werden von den Baugrundstücken weg in Parkierungsanlagen verlegt. Autonutzer sollen vom Parkplatz dieselbe Entfernung zurücklegen wie ÖPNV-Benutzer von der Haltestelle. Bewohner, die über kein eigene Auto verfügen, sollen unkompliziert und zu günstigen Preisen ein Mietauto benutzen können. Autos werden in flächensparenden mechanischen Autosilos abgestellt. Durch die Mehrfachnutzung von Parkplätzen durch Langzeit- und Kurzzeitparker ergibt sich eine bessere Parkplatzausnutzung.

Durch die teilweise provisorische Neunutzung vorhandener Gebäude und Anlagen konnte sich bereits in der ersten Projektphase urbanes Leben auf dem ehemaligen Kasernengelände entfalten, z.B. in Form von Wohnraum für Wohnungssuchende mit besonderer Dringlichkeit, von Wohnheimplätzen für Studenten, einer Recyclingwerkstatt, von Ateliers, einer Jugendfreizeitstätte, von Kindergärten, Sportanlagen und verschiedener anderer Wohn- und soziokultureller Nutzungen; die ersten Neubauten sind fertiggestellt.

Seit 1996 erfolgt die finanzielle Abwicklung und wirtschaftliche Kontrolle des Projekts durch die Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg. Die Stadt Tübingen hat für die gesamte Dauer der Entwicklungsmaßnahme einen Zuschuß von 20 Millionen DM eingerechnet. Aus Landesmitteln zur Städtebauförderung sollen 8 Millionen DM fließen.

Ökologische Effekte/ Ökonomischer Nutzen
Ökologische Effekte entstehen sowohl durch die hohe bauliche Dichte als auch durch die Nutzungsmischung, die kurze Wege (zu Fuß) ermöglicht. Der Einsatz von Fernwärme und die konsequente Umsetzung der Niedrigenergie-Bauweise sind weitere ökologische Faktoren. Die Sanierung der vorhandenen Altlasten und die Entsiegelung vormals versiegelter Flächen erhöhen die Umweltqualität. Mit der Quartiersentwicklung entstehen ca. 2.000 Arbeitsplätze, viele davon im qualifizierten Dienstleistungssektor. Von der Umsetzung des Vorhabens wird eine Verbesserung der lokalen Wirtschaftsstruktur erwartet.

 

 



 
 
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andreas fischer

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